Da wären sie also wieder. Ein ganzer Fuhrpark an Trocknungsgeräten versieht mittlerweile wieder seinen Dienst in unserem Häuschen, um endlich den mittlerweile nun auch schon wieder drei Wochen bestehenden erneuten Wasserschaden zu bekämpfen. Der Inhaber der Trocknungsfirma, der nach eigenen Angaben pro Jahr bundesweit rund 500 Häuser trocknet, gibt zu, irritiert zu sein – gleich zwei Mal im Abstand von fünf Monaten wegen eines Wasserschadens aus gleichem Grund in einen Rohbau gerufen zu werden, ist wohl selbst für ihn neu.

Beruhigt sind wir jedenfalls zu sehen, dass wir es hier mit Profis – und mit netten Menschen zudem – zu tun haben; die Bautrockner messen akribisch alle nassen Flächen aus und installieren entsprechend auf allen drei Ebenen des Hauses Trocknungsgeräte für die Wände sowie auch für den wasserunterlaufenen Estrich im Ober- und Erdgeschoss; hierzu werden Spezialgeräte eingesetzt, die die Trocknung über die schmalen Randstreifen bewerkstelligen, so dass zumindest der Estrich nicht angebohrt und das Risiko einer Beschädigung der Fußbodenheizung eingegangen werden muss. Immerhin.

14-11-20 Trocknung November

 

Was man in den kommenden drei, vier Wochen allerdings eher unterlassen sollte ist, einen allzu genauen Blick auf den Baustromzähler zu werfen, an welchem – nach wie vor mangels regulärer Elektrofertiginstallation – die Trocknungsgeräte hängen; selbiger rotiert in einer schwindelerregenden Geschwindigkeit – wohl nur selten scheint das Bild vom „Geld durch den Schornstein blasen“ stimmiger als hier. Deprimierend.

So langsam wird es ohne eine fatalistische Grundhaltung und ein gerüttelt‘ Maß an Galgenhumor schwierig. Folgende Geschichte: zu Zeiten, als man uns noch einen Hausübergabetermin im Mai 2014 in Aussicht stellte, waren die Fliesenlegearbeiten wohl für den Zeitraum April 2014 vorgesehen; mit entsprechendem Vorlauf waren wir aus eigenem Antrieb also bereits im Winter/Frühjahr 2014 unterwegs, um uns für konkrete Fliesen zu entscheiden.

Auf Empfehlung des von der Massives Bauen GmbH beauftragten Fliesenlegers suchten wir seinerzeit u. a. einen Fliesenhandel im Nürnberger Westen auf und dort unsere Fliesen aus. Soweit, so gut. Dann jedoch verschwand durch den – sagen wir einmal „gemütlichen“ – Baufortschritt das Thema „Fliesen“ erst einmal monatelang von der Agenda, um nun – mit einem Delay von einem halben Jahr – wieder hochzupoppen.

Kein Problem: die Fliesen waren seinerzeit ja schon ausgesucht, so dass sie nun einfach abgerufen werden mussten. Dachten wir. Beim Versuch, genau dies zu tun, mussten wir jedoch – kein Witz – feststellen: der Fliesenhandel unserer Wahl ist mittlerweile pleitegegangen. Unfassbar.

Jetzt haben wir ein Problem: da Fliesenhändler – so lernen wir – die Fliesen ihres Sortiments oft mit eigenen Phantasienamen versehen, finden sich diese so leicht unter einem solchen nicht beim Wettbewerber wieder. Vereinfacht gesagt: eine Fliese namens „Horst“ aus dem Sortiment von Fliesenhändler A heißt im Sortiment von Fliesenleger B möglicherweise „Helga“.

Entsprechend schwer fällt es uns, „unsere“ Fliesen bei einem alternativen Fliesenhandel in der Metropolregion „wiederzufinden“. Mit einigen Fragmenten der Artikelstammdaten, Google, ein wenig Kreativität und einigen Abenden Zeit gelingt es uns dann doch und wir werden bei einem Fliesenhandel in Lauf an der Pegnitz fündig. Puh, noch mal gutgegangen. Wir geben die „neuen“ Bezeichnungen an den Fliesenleger der Massives Bauen GmbH weiter, der sich um die Bestellung und freilich auch die Warenannahme kümmert.

Den Beginn der Fliesenarbeiten bekommen wir wegen eines Kurztrips aus Anlass einer Familienfeier nicht mit, so dass wir erst am heutigen Dienstag erste Ergebnisse bewundern dürfen. Unter anderem den bereits nahezu vollständig gefliesten Hauswirtschaftsraum. In dem – leider ebenfalls kein Witz – die falschen Fliesen liegen; und zwar solche, die wir nicht einmal bestellt hatten …

Über die hier beschriebene hinaus hält das Gewerk „Fliesen“ noch einige weitere – aus unserer Sicht leider ebenso wenig unterhaltsame – Lach- und Sachgeschichten bereit; zu diesen bei Gelegenheit noch mehr.

Nach nunmehr einem schlanken Jährchen reiner Bauzeit sei uns ein weiterer kleiner „Faktencheck“ zugestanden. Die Massives Bauen GmbH wirbt auf ihrer Website (Stand: 09.11.14) bzgl. Ihrer Handwerker mit „bewährte[n], langfristige[n] Partnerschaften“ und einer „dauerhafte[n] Vertragsbindung“ mit ihren Subunternehmern. In diesem Zusammenhang veröffentlicht ist eine Liste mit Titel „Unsere Partnerfirmen“.

Im Kontext unseres Bauvorhabens waren nach unserer Zählung bislang 15 Handwerksfirmen für die Massives Bauen GmbH operativ tätig; von diesen 15 Firmen finden sich auf der o. g. Liste: exakt Null. Gegenprobe: von den auf der Liste genannten Handwerksfirmen waren bei uns tätig: ebenfalls exakt Null.

Beworben wird zudem, die Handwerker der Massives Bauen GmbH kämen „aus der Region“ und seien – mehr noch – „ortsnah“ ansässig. Wobei derlei Aussagen freilich – je Standort des Bauvorhabens – durchaus relativen Charakter haben können. In unserem Falle ist jedenfalls festzustellen, dass ein erklecklicher Teil der auf unserem Bau tätigen Handwerker Anfahrtsstrecken in der Größenordnung bis zu rund 230 km (einfach) zu bewältigen hat. Da wird es nach unserem Geschmack dann allerdings schon äußerst relativ.

Des Weiteren sagt die Massives Bauen GmbH auf ihrer Website: „Sub-Sub-Lösungen lehnen wir ab“. Nun sind wir bzgl. üblicher Geschäfts- und Kooperationsmodelle „am Bau“ absolute Laien – beobachten jedoch so Einiges, was aus unserer Sicht zumindest nicht auf Anhieb zur oben zitieren Aussage passen will. So schickte uns die Bauelemente-Firma, über die wir Fenster und Außentüren beziehen, einen nach eigenem Bekunden selbstständigen Monteur zum Einbau der Elemente. Der uns von Massives Bauen als Subunternehmer genannte Estrichleger schickt seinerseits wiederum einen Subunternehmer, der das Gewerk schließlich ausführt. Und die fehlende Sockelabdichtung wird nicht etwa vom Rohbauer – der sie nach unserem laienhaften Verständnis vergessen hat – ausgeführt, sondern von einem von Massives Bauen als „Allrounder“ deklarierten Handwerker, dessen Profession laut Visitenkarte „Abbrucharbeiten“ sind. Ja, steht da wirklich.

Wohlgemerkt: all dies hat mit der Qualität der Arbeit der beteiligten Firmen freilich nichts zu tun – eher schon mit der Qualität von Werbeaussagen. Massives Bauen nennt als „Auswahlkriterium“ für seine Subunternehmer „höchste Qualität und Handwerk“. Diese Aussage wäre im Einzelfall noch einmal gesondert zu validieren; worauf wir aktuell noch verzichten, uns dies anhand verschiedenster einschlägiger Erfahrungen jedoch vorbehalten.